bonogoo – gutes besser finden

[studentisch] Verkäufer ist Student

ERZÄHLUNGEN FÜR / ÜBER / VON PRODUKTEN

TITEL:
VELOTRAUM
AUTOR:
ANIKA BAYER

'mama hat mir ein SCHAFKISSEN geschenkt. als einschlafhilfe. so ein quatsch. wer zählt denn noch schafe zum schlafen? ausserdem freue ich mich so sehr auf meinen geburtstag, daß ich gar nicht einschlafen mag... das ist doch was für kleinkinder. ich bin schliesslich 12 und kein mädchen. '

das dachte karl und er blickte versonnen in seinen selbstklebenden sternenhimmel aus fluoreszierendem kunststoff der an der zimmerdecke einen mittleren spiralnebel bildete. karl seufzte über die einfältigkeit der erwachsenen.

'schafe, nein. ufos. das wäre doch mal was. FLIEGENDE UNTERTASSEN. die will ich zählen.'

und flugs waren sie am himmel die fliegenden scheiben... waberten durch die sternenklare nacht. in ihrer mitte leuchtete ein flackerndes licht, ganz wie eine kerzenflamme. nur eben moderner... sie flogen kunstvolle figuren und berauschten sich gegenseitig an den mustern, die sie fliegen konnten. und sie waren selbst gemustert. und zwar jede anders. diese muster sahen ausserirdisch aus. wie aus einer anderen zeit: zwiebelmuster, millefleur und geometrische flächen und linien, die sich überkreuzten. opa hatte eine sammlung solcher muster im geschirrschrank.

'seltsam. wie kommen die muster auf die ufos? oder hat opa kontakt zu den ausserirdischen? oder ist der geschirrschrank von opa das parkhaus und der eingang zur einwanderungsabteilung für aliens? 49, 50, 51...'



langsam wurde karl müde und er dachte nur noch an seinen 13. geburtstag. morgen war der große tag. wie sehnte er sich danach, denn er hatte sich ein neues fahrrad gewünscht. karl hatte papa vor einer woche dabei erwischt, wie er das lieblingsfahrrad von karl in einem internetshop angesehen hatte. ganz zufällig sei papa auf die seite gestossen.

'so ein quatsch. die erwachsenen haben doch keinen plan, wenn es um wirklich coole dinge geht. von der marke VELOHELD hatte der doch noch nie gehört.'

sein wunsch stand vor ihm zum greifen nah... er fasst die griffe des lenkers und schwang sich mitsamt dem kissen auf das weisse rad. so fuhr er mit seinem SCHAFKISSEN auf der stange langsam an den sternen vorbei. seltsam, von einem antigravitationsfahrrad hatte er noch nichts gehört. aber es fühlte sich plausibel an, hier zwischen den kreisenden tellern zu schweben...

'plausibel...' murmelte er noch. und dann verblassten die sterne und karl wurde langsam in eines der schwarzen löcher zwischen den sternen gesaugt...