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BERLIN

Berlin

Über Berlin zu schreiben und aufzuzählen, was es hier so alles gibt, wäre langatmig und langweilig, aber man kann es auch kurz machen: Fast alles. Interessanter könnte da schon sein, warum keiner so recht an Berlin vorbeikommt.

Ich bin nicht nur Wessi, sondern sogar Bonner. Aus diesem Grund und wegen des krakenhaften, von außen stark wahrnehmbaren Kulturzentralismus der Hauptstadt wäre es mir bis vor drei Jahren nicht eingefallen, nach Berlin zu ziehen und zu einem dieser Kieztierchen zu werden. Als es dann doch soweit war und ich begann, als Designer hier zu arbeiten, bemerkte ich: Hier ist es gar nicht so schlecht. Berlin kann nerven, wenn man kein Teil davon ist, weil alle darüber reden. Aber wenn man sich dann die Stadt von innen
betrachtet, öffnen sich auch dem Skeptiker ungeahnte Synergien. Es schlägt einem ein Flair entgegen, wie es weltweit einzigartig ist. Die Größe der Stadt ist selbst in Mitte nicht so spürbar wie in anderen europäischen Metropolen. Berlin geht charmant mit Urbanität um.

Wenn man in den Bars dieser Stadt sitzt, könnte man meinen, es gäbe hier mehr Zugewanderte als Urberliner. Wenn man sich dann noch in Prenzlauer Berg oder Kreuzberg befindet, könnte man sogar glauben, es gäbe hier mehr Designer als andere Menschen. Der einzige Ort in Deutschland, wo es so gewöhnlich ist, Designer zu sein, wie anderswo BWLer oder Krankenpfleger. Unter Klaus Wowereit hat sich Berlin mit Fashion Week und DMY die creative industries auf die Fahne geschrieben. Die UDK Berlin und die KH Weißensee produzieren jährlich neue Gestalter. Hier reihen sich Galerien an Galerien und es gibt viele kleine Geschäfte zu entdecken, die oftmals in Berlin gestaltete und hergestellte Produkte anbieten. Die sonntäglichen Flohmärkte bieten Fundstücke, die weit über Ü-Ei-Figuren und Blümchengeschirr hinausgehen. Hier findet sich mit etwas Glück der ein oder andere
Designklassiker. Architektonisch changiert die Hauptstadt zwischen der obligatorischen Platte mit Deckenhöhen für Zwölfjährige, schön sanierten Altbauten mit französischen Fenstern, Hinterhöfen über Hinterhöfen und den Repräsentativbauten von gestern und heute.

Die Spreeperle bietet durch ihre bewegte Geschichte nicht nur entlang der ehemaligen Mauer viele Nischen, die von allen möglichen Szenekulturen in Beschlag genommen werden. Will man die faszinierendsten Orte kennen lernen, sollte man sich als Tourist oder Neuberliner mit Einheimischen zusammenrotten, denn innovative Events und das wirklich interessante Nachtleben spielen sich – wenig überraschend – jenseits von Reiseführern ab.
Eine Empfehlung (mit Verfallsdatum!) für Freunde lustiger Ranzläden: Die Villa. Für Beathungrige: Tape Club. Für Sommer: Club der Visionäre. Für Weinselige: Weinerei.

Trotz der auffälligen Entspanntheit seiner Bewohner – Berlin ist schnell…
und das ist auch gut so!

DER AUTOR

Martin Güntert ist seit November 2007 als Designer und
Projektleiter für die Mykita Studio GmbH in Berlin tätig.

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